Achtsamkeitspraxis Blog Meditation

Raus! Outdoor-Retreat

In meinem täglichen Leben ist nichts,

als was mir jeweils von selbst zufällt.

Nichts ergreifend oder zurückweisend

gibt es kein Hindernis, keine Trennung.

Ich habe kein anderes Ehrengewand

als der blauen Berge strahlende Klarheit.

Meine wunderbare magische Kraft

liegt im Wasser holen und Holzhacken.

– Der Zen-Laie P’ang-Yün –

Ein wichtiger Teil meiner Praxis findet seit Jahren in der Natur statt, quasi „Outdoor-Yoga“… Dafür ziehe ich mich mehrmals im Jahr nach draußen in die Stille zurück. Meist verbringe ich ein paar Tage und Nächte alleine in „meiner Höhle“, einer Art Balkon in einer Felswand, oder ich wandere und zelte im Gebirge. „Caveman!“ lacht Ananda, einer meiner Lehrer, wenn er mich sieht.

Das darf man sich allerdings nicht allzu asketisch vorstellen. Meine Outdoor-Ausrüstung ist eher state-of-the-ultralight-art. Und die alten Eremiten-Yogis hatten vermutlich auch nicht mein Solarmodul, mit dem ich Energie für mein nächtliches Leselicht, mein GPS, meinen ebook-Reader und meinen UV-Wasserentkeimer gewinne… Und damit hört der Luxus noch lange nicht auf: Mit meinem Kocher erhitze ich mir manchmal Wasser und dusche dann damit warm mithilfe eines hochgezogenen Wassersacks. Und hin und wieder weht sogar mal mobiles Internet vorbei, um etwas zu posten.

Doch trotz dieses technischen Schnickschnacks finde ich draußen besonders leicht in die Stille. Dort fühle ich mich einfach nur noch als ein vergänglicher Teil des Waldes, der Natur, des Lebens, ohne noch jemand „sein“ zu müssen. Damit geht interessanterweise ein Gefühl von großer Sicherheit und Freiheit einher.

Meine Bedürfnisse reduzieren sich dort auf sehr ursprüngliche und einfache Aspekte, denen ich versuche mit Achtsamkeit nachzugehen: Wasser aufbereiten, liegen gebliebenes Holz klein machen, Feuer entfachen, Nahrung suchen und zubereiten, waschen, schlafen und demütig in der Schönheit sein, die mich umgibt… Und auf einem etwas breiteren Felsband direkt über meiner „Höhle“ habe ich einen Platz mit weiter Aussicht um āsana zu praktizieren.

Während der Achtsamkeitsmeditation platziere ich zum Beispiel die Aufmerksamkeit gerne auf die mich umgebenden Phänomene: Häufig auf die Geräusche des Waldes, wie das Zwitschern der Vögel, das Rauschen des Windes in den Wipfeln, das Knacken der Äste, aber auch ein Flugzeug düst mal vorbei. Ich atme die Luft, die nach Moos und Nadelbäumen riecht. Und manchmal schaue ich auch nur mit stiller werdendem Geist den sich immerzu verändernden Wolkenformationen zu, was für mich ein so unmittelbares und spürbares Bild für die Vergänglichkeit aller äußeren Formen – und ebenso meiner geistigen Zustände ist.

Weiße Wolken

Heute saß ich vor der Felsklippe

Bis schließlich aller Nebel sich verzog

Ein gerader Weg, glitzernd der kalte Bach

Achttausend Fuß, die Gipfel jadefarben

Im milden Morgenlicht stehen Weiße Wolken

Bei Nacht des hellen Mondes schwebender Glanz

Nun bin ich frei von jedem Makel

Welch Kummer könnte meinen Sinn noch trüben?

– Han Shan –