Achtsamkeitspraxis Blog

Weshalb ich nicht an Yoga glaube

Der Weisheitssuchende Jiddu Krishnamurti war davon überzeugt, dass es keinen vorgegebenen Weg gibt, auf dem wir uns einer tieferen Erkenntnis nähern können.

„Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.“

– Jiddu Krishnamurti –

Krishnamurti meinte, dass kein Weisheitssystem, keine organisierte Religion, kein Guru, kein spiritueller Schleichweg uns zur Wahrheit bringen könne. Jeder Mensch müsse sich selbst die Mühe machen auf seine Weise zu ihr aufzusteigen, so wie man den Gipfel eines Berges auch nicht ins Tal herunterholen könne.

Viele Suchende kennen die Schwierigkeit eine tiefe Erfahrung, die in Stille, also hinter den Gedanken gemacht wird, treffend in Worte zu fassen. Der Inhalt der Einsicht zerfällt in unseren Händen, in dem Moment, in dem wir ihn anderen weitergeben möchten. Es ist nichts, was innerhalb der Grenzen eines sprachlichen Raums existieren könnte.

Ich bewundere das Yogasystem und seine Philosophie – dieses großartige, vielschichtige, ganzheitliche und zugleich klägliche Konstrukt.

Mit tiefer Dankbarkeit und Verehrung fühle ich mich den endlosen Generationen von Yogis und Yoginis verbunden, die differenziert und von großer Weisheit durchdrungen von ihren Übungen und ihren Erfahrungen berichteten. Sie haben mir Möglichkeiten aufgezeigt, die meine Praxis zutiefst inspirieren. Sie haben Begriffe, Bilder, Modelle und Übungen entdeckt, die unendlich hilfreich – und doch gleichzeitig in sich leer sind. Denn sie sind nicht mit „Yoga“ zu verwechseln, diesem Zustand von Freiheit, Verbindung und Einssein.

Die mehr oder vermutlich weniger genauen Anleitungen und Lehren führen sogar in die Irre, sobald ich sie zum Dogma erkläre und nur noch starr und mechanisch befolge. Also probiere ich aus, und erinnere mich währenddessen immer wieder daran, dass ich von Vorstellungen geleitet werde, die meine Erfahrung strukturieren und damit einschränken.

Meine Praxis verstehe ich daher eher als eine spürende, achtsame Erforschung, eine Annäherung, für die es keine instrumentelle Herangehensweise oder sicheren Methoden gibt. An der Yogapraxis inspiriert mich besonders, dass sie keine einfachen Antworten liefert, sondern eigentlich immer neue Fragen stellt…

Und darin liegt etwas Wundervolles nämlich die Frische des Augenblicks und die spürbare Möglichkeit grenzenloser innerer Freiheit.